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Hospiz macht Schule

Kaum ein Thema ist in unserer Kultur so stark tabuisiert wie Sterben und Tod. Dabei gehören Endlichkeit, Abschied und Trauer unweigerlich zum Leben dazu. Genau hier setzt das Projekt „Hospiz macht Schule“ an: Es begleitet Schülerinnen und Schüler behutsam und altersgerecht bei der Auseinandersetzung mit diesen existenziellen Themen.

Seinen Ursprung hat das Projekt in Deutschland, von wo es über die Steiermark schließlich nach Niederösterreich kam. „Das war 2010“, erinnert sich die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Martina Meissner von der Hospizbewegung Baden, die damals den allerersten Kurs belegte. Seit 2011 organisiert und koordiniert sie gemeinsam mit ihrem Team Workshops an Schulen der Region. Im Frühling 2025 fand ein zweitägiger Workshop mit den Klassen 6A und 6B des BG & BRG Berndorf statt, im darauffolgenden Winter ein weiterer für die vierten Klassen der Volksschule Pfaffstätten.

Projekt am BG & BRG Berndorf

Initiiert und begleitet wurde das Projekt am BG & BRG Berndorf von den Religions- und Ethikpädagoginnen Mag. Eva Leitner und Mag. Elisabeth Landler-Prosenz. „Zu Beginn geht es vor allem darum, Vertrauen aufzubauen“, erklärt Martina Meissner. „Je stärker die Klassengemeinschaft ist, desto schneller können sich die Jugendlichen öffnen.“ Für viele Schülerinnen und Schüler ist es das erste Mal, dass sie sich bewusst mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Neben der Geschichte der internationalen Hospizbewegung werden auch persönliche Erfahrungen der Hospizbegleiterinnen geteilt – offen, ehrlich und mit viel Einfühlungsvermögen.

Symbolik, Filme und ein besonderer Koffer

Mit viel Symbolik, kurzen Zeichentrick- und Kurzfilmen sowie einem besonderen Koffer, den jede Schülerin und jeder Schüler individuell für die „letzte Reise“ packen darf, erfolgt der behutsame Einstieg in die Thematik. Sobald Neugier geweckt und Vertrauen gefasst ist, gibt es kaum noch Berührungsängste: Die Jugendlichen wollten ebenso wissen, warum Hospizbegleiterinnen sterbende Menschen und deren Angehörige begleiten und was die Beweggründe für dieses ehrenamtliche Engagement sind.

Martina Meissner erinnert sich an eine prägende Erfahrung aus ihrem Leben: „Als meine Großmutter vor 30 Jahren zu Hause verstarb, waren wir als Familie hilflos. Wer wusste damals schon genau über Rechte, Pflichten und Abläufe im Todesfall Bescheid?“ Dieses Wissen gibt sie heute mit großer Empathie weiter und nimmt dem Tod damit ein Stück seines Schreckens.

Auch Karin Nakowitsch fand über eine persönliche Erfahrung zur Hospizarbeit. Als ihre Mutter zu Hause verstarb, wurde ihre Familie von einer Hospizbegleiterin unterstützt. Diese einfühlsame Begleitung bestärkte sie darin, selbst die Ausbildung zur Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiterin zu absolvieren. Seither engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Hospizbewegung Baden.

Besuch beim Bestatter

Ein weiterer Programmpunkt des Workshops in Berndorf war der Besuch beim Bestattungsunternehmen Birbamer. Dort erhielten die Jugendlichen Einblicke in unterschiedliche Bestattungsformen und organisatorische Abläufe. „Alle Fragen wurden geduldig und anhand praktischer Beispiele beantwortet“, berichtet Martina Meissner. Die Offenheit der Schülerinnen und Schüler zeigte sich auch in unerwarteten Fragen – etwa, ob ein Bestatter eigentlich auch Freunde habe.

Nachhaltige Eindrücke

Am Ende der beiden Tage ziehen alle Beteiligten ein positives Resümee. Viele Schülerinnen und Schüler haben nicht nur Neues gelernt, sondern auch ihre Klassengemeinschaft auf einer tieferen Ebene erlebt. Was bleibt, ist die Erkenntnis, wie wertvoll das eigene Leben ist und wie wichtig es ist, jeden einzelnen Tag bewusst zu schätzen.

Die Hospizbewegung Baden bietet den Workshop „Hospiz macht Schule“ regelmäßig für interessierte Schulklassen an.

Informationen und Anmeldung:
Hospizbewegung Baden,
Mühlgasse 74
Tel. 02252 / 22866