Neuorganisation der Pflegeberufe und ihrer Berufsbilder

Beitrag Hilde Kössler, MMSc (palliative care, ane) zur Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG)

schützende Hand

Neuorganisation der Pflegeberufe und ihrer Berufsbilder

Beginnend mit 01.September 2016 treten die ersten Änderungen für Pflegeberufe, die mit der Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) am 14.07.2016 beschlossen wurden, stufenweise bis 2024 in Kraft.

Hier finden Sie eine ausführliche Darstellung des Novelleninhalts mit derzeit abschätzbaren Konsequenzen aus palliativer Sicht:

GuKG Novelle 2016

Die Änderungen betreffen Tätigkeitsbereiche und Kompetenzen der einzelnen, teilweise neu geschaffenen Pflegeberufe, die Zusammenarbeit untereinander und mit anderen Gesundheitsberufen, wie auch den Aus-, Fort- und Weiterbildungssektor.

Mit der GuKG Novelle 2016 soll eine bessere Zusammenarbeit auf hohem Niveau am Krankenbett erreicht werden. Zum ersten Entwurf der Novelle gab Hilde Kössler als Vizepräsidentin der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) am 03.09.2015 eine Stellungnahmen im Parlament ab. Obwohl eine Beschlussfassung für Herbst 2015 geplant war, fand die erste Lesung des Ministerialentwurfes vor dem Nationalrat erst im Juni 2016 statt. Dieser Entwurf setzte die Empfehlungen aus Kösslers Stellungnahme weitgehend um. Allerdings fand sich eine Definition von Palliativversorgung, die nicht akzeptabel war. Umgehend wurde eine weitere Stellungnahme mit konkreten Formulierungsvorschlägen eingereicht. Erfreulicherweise kam es zur Korrektur und Ergänzung der Definition.

Neben einer deutlichen Erweiterung der Kompetenzen und Tätigkeitsbereiche der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP) werden in den nächsten Jahren zahlreiche Herausforderungen in Verbindung mit der Novelle zu meistern sein – insbesondere die Gefahr eines Wissens – und Transferverlustes, da z.B. die Pflegefachassistenz eine zweijährige Ausbildung erhält – also um ein Drittel weniger als bisherige DGKP. Nunmehrige DGKP als „Bachelor of Science in Nursing“ (BScN) erhalten eine Ausbildung, bei der es zur Verschiebung bestimmter Inhalte zugunsten von Wissenschaft und Forschung kommt. Am Beispiel der Palliativpflege führt dies an Fachhochschulen zur Reduktion der Unterrichtsstunden um bis zu zwei Drittel.

Andererseits kommt es mit einer verpflichtenden Weiterbildung in der spezialisierten Palliativ- und Hospizversorgung im Ausmaß von 90 ECTS innerhalb von fünf Jahren neben einer Aufwertung der Palliative Care zu einer Erweiterung der Befugnisse im Sinne einer besseren Palliativpatientenbetreuung.

Pflegeberufe bisher Pflegeberufe neu
Pflegehelfer: Ausbildung ein Jahr Pflegeassistenz: Ausbildung ein Jahr, Aufgabenbereich entspricht Pflegehelfer; auf Anordnung und unter Aufsicht von DGKP tätig
Pflegefachassistenz: Ausbildung zwei Jahre bzw. Aufschulung ein Jahr vom Pflegeassistenten an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen; Aufgabenbereich entspricht weitgehend dem der jetzigen DGKS/P  – selbstständig aber ausschließlich auf Anordnung von DGKP tätig
Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenschwester/pfleger (DGKS/P): Ausbildung drei Jahre an einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule (oder seit 2012 Bachelor Studium an einer Fachhochschule) – mit einem Jahr Aufschulung Möglichkeit auch im Kinder-, Jugendlichen oder Psychiatriebereich zu arbeiten

Diplomierte/r Kinder- und Jugendlichenkrankenschwester/pfleger, Diplomierte/r Psychiatrische/r Krankenschwester/pfleger: Ausbildung drei Jahre an einer Gesundheits- und Krankenpflegeschule – mit einem Jahr Aufschulung Möglichkeit auch im allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflegebereich zu arbeiten.

Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege: Ausbildung drei Jahre an Fachhochschulen zum Bachelor of Science in Nursing, allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege mit deutlich zur bisherigen DGKP erweiterten Kompetenzen

 

Spezialisierungen: ein Jahr Weiterbildung innerhalb von fünf Jahren (Intensiv, Anästhesie, OP, Nierenersatztherapie, Spezialisierungen: Zehn Bereiche mit erweiterten Befugnissen können durch das Absolvieren einer Spezialisierungsweiterbildung im Ausmaß von 90 ECTS erlangt werden. Dies betrifft neben der Palliativversorgung auch die Kinder- und Jugendlichen- sowie die Psychiatrische Pflege

 

Die Änderungen durch die GuKG Novelle bedingen also eine weitreichende, systematisch abgestufte Neuregelung und Anpassung des gesamten Bildungsbereiches der GuKP – Berufe. Es wird die Aufgabe der Fachgesellschaften für Palliative Care – insbesondere OPG gemeinsam mit Dach- und Landesverbänden Hospiz Österreich – sein, eine Bewusstseinsentwicklung in Richtung Palliative Care bei der Gestaltung der Ausbildungsinhalte durch die Länder einzufordern.

Hilde Kössler, MMSc (palliative care, ane) Koordinatorin des Mobilen Palliativteams der Hospizbewegung Baden